Ich kann nicht nicht Druck machen

druckDruck ist ein Dauerthema, darum mache ich mir seit Jahren darüber Gedanken und möchte jetzt ein paar davon mit euch teilen. Nicht absolut wasserdichte wissenschaftliche Formulierungen möge man mir verzeihen ;-). Ich sehe das als großes Puzzle, in dem ich immer mal wieder ein paar Teile finde und dadurch ein größeres Bild bekomme. Das Ganze werde ich eh nie erfassen können.

Leben, wie wir es kennen, ist ohne Druck nicht möglich. Ich bin echt dankbar, dass der Druck der Schwerkraft mir ermöglicht, hier herumzulaufen. Mir erlaubt, mich zu spüren und meinem Körper und meinem körperlichen Vermögen Grenzen setzt, mit denen ich arbeiten kann.

Ohne Druck kann ich mich beim Gehen nicht vom Boden abstoßen. Ich kann kein Glas in die Hand nehmen, kein Gaspedal drücken und keine Tür öffnen.

Ich übe auf andere Lebewesen alleine durch meine Anwesenheit Druck aus. Jeder weiß, wie es sich anfühlt, wenn jemand einfach in den persönlichen Raum eindringt und einem auf die Pelle rückt, dazu ist keine Berührung nötig.

Emotionen sind ein weiteres großes Feld. Wenn ein Mensch mit starken Emotionen (von wütend bis überglücklich) in den Raum kommt, spüre ich das. Ist jemand extrem aggressiv, kann mir der Druck, den er mitbringt, über Meter die Luft abschnüren, auch wenn er überhaupt nichts mit mir zu tun hat.

Weggehen kann Druck erzeugen. Wie etwa die Freundin, die beleidigt von der Party abhaut.

Erwartungshaltungen. Da reicht ein Blick der Schwiegermama und man kann sich wie zermalmt fühlen, als Versager, unerwünscht…

Druck in Form einer liebevollen Umarmung ist wundervoll und Druck kann auch heilen, wie bei der Akkupressur oder anderen Körpertherapien.

Liebesentzug ist auch eine Form von Druck und fällt unter emotionalen Missbrauch, dabei berührt da niemand irgendwen.

Dagegen nehme man Tanzpartner beim Paartanz. Was würde passieren, wenn keiner Druck ausüben würde? Sie könnten einfach nicht zusammen tanzen, weil jede Verbindung und Führung fehlen würde, weil beide völlig ratlos wären. Und ein bisschen weiter gedacht könnten sie auch rein physisch keine Figuren zusammen tanzen, weil jedes Heben, Halten, Drehen ja Druck ausübt.

Und ihr kennt sicher auch Eheleute, wo ein vernichtender Blick der Frau reicht, dass man quasi mit dem Ehemann mitzusammensackt. Und ich bin mir sicher, dass diese Frau diesen Mann nie körperlich gezüchtigt hat.

Andererseits zögert wohl hoffentlich niemand, ein Kind mit egal wie viel Druck zu packen, wenn es dabei ist vor ein Auto zu laufen.

Darum sieht mein Weltbild grad so aus:

Druck ist ein Teil unseres Lebens, ohne den wir nicht existieren würden und könnten. Es gibt ihn physisch und psychisch und da wiederum aktiv und passiv.

Darum tu ich mich mit schwarz-weiß Trainingsmethoden und Ansichten so schwer. Wenn ich einen Tanzpartner habe, der mich sicher führt und in Drehungen hält, empfinde ich den Druck als positiv. Ist er sauer, hält mich aber genauso, fühlt sich das Tanzen trotzdem ganz anders an und ich fühle mich vielleicht unwohl, aber nicht unbedingt unsicher, hätte aber vermutlich lieber einen anderen Tanzpartner. Lässt er mich fallen, kommt es darauf an, ob ich sehen kann, dass es ein Unfall oder Versehen war oder ob es sich mies anfühlt. Wenn er mir wehtut, weil er mir auf die Füße tritt, empfinde ich das je nach Kontext anders. Wenn er mich auf die Tanzfläche zerrt und ich blaue Flecken bekomme, finde ich das Scheiße. Wenn wir gemeinsam was Schwieriges trainieren, sind blaue Flecke ganz normal…

Für mich kommt es nicht auf die einzelne Handlung an, sondern immer auf die Beziehung und das Gefühl dahinter. Ist es schön? Kann ich entspannen? Wird meine Welt größer und erfüllter? Kann der andere so weit als möglich frei reagieren und auch Nein sagen? Bin ich wirklich sauber – habe ich eine Agenda, nutze ich meine Macht aus, versuche ich einen Mangel zu stillen, mache ich Drama…? Fühlen wir uns zusammen wohl? Ist da was zwischen uns – wenn ja, ein Band oder ein Felsen?

Druck ist immer da – physisch und psychisch, aktiv und passiv.

Was mach ich draus?

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